„Es gibt nichts Wichtigeres als unsere gute Gesundheit

– das ist unsere Hauptkapitalanlage“

Arlen Specter

Trotz steigendem Gesundheitsbewusstsein nehmen sogenannte Zivilisationskrankheiten weiter zu. Heute gibt es weltweit mehr übergewichtige und fettleibige Menschen als untergewichtige. Die Kombination aus Bewegungsmangel und schlechter Ernährung begünstigen dabei das Risiko für Diabetes, Erkrankungen der Herzkranzgefäße, Schlaganfälle und Krebs.

Der Arbeitsplatz ist ein entscheidender Faktor für eine gesunde Work-Life Balance und einen gesunden Lebensstil. Vollzeitbeschäftigte verbringen ein Drittel des Alltages am Arbeitsplatz. Daher ist eine ausgewogene Ernährung sowohl im Arbeitsleben als auch zu Hause in Kombination mit Sport und Bewegung unerlässlich, um fit und gesund zu bleiben – oder wieder zu werden. Fehlernährung geht mit Konzentrationsschwäche, Leistungsabfall, Gesundheitsproblemen und Müdigkeit einher, die sich entsprechend auf Fehlzeiten und Kosten für die Unternehmen niederschlagen.

Unternehmer sollten dabei ihre Mitarbeiter nicht allein lassen, sondern aktiv unterstützen, um Leistungsabfall oder Krankheit (physisch oder mental) vorzubeugen. Das ist nicht nur eine Frage der Verantwortung als guter Arbeitgeber. Es ist vielmehr unternehmerisch sinnvoll und ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung.

Beschäftigte sind leistungsfähiger und motivierter und die Identifikation mit dem Betrieb steigt. Krankheitsfälle und Fehlzeiten werden minimiert, was zu Kosteneinsparungen führt. Die Produktivität sowie die Qualität der Arbeit steigen durch die erhöhte Motivation der Mitarbeiter. Das Unternehmen profitiert von einem verbesserten Image (Employer Branding) und einer Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit.

Europaweit sind KMUs das Rückgrat der Wirtschaft – sie stellen mehr als 65 Prozent der Arbeitsplätze. Deshalb ist es entscheidend, gerade diese dabei zu unterstützen, die richtigen Bedingungen zu schaffen, damit Beschäftigte mehr Eigeninitiative in Bezug auf ihre Gesundheit zeigen können. Und natürlich sollten Unternehmer auch in gleicher Weise auf sich selbst achten – denn Ihre Mitarbeiter brauchen Sie.

01 Ernährung

In Deutschland leiden zwei von drei Männern (67 Prozent) und jede zweite Frau (53 Prozent) an Übergewicht. Die dadurch verursachten Kosten für Gesellschaft und Unternehmen sind immens. Direkte Behandlungs- und Arzneimittelkosten sowie indirekte Kosten (Produktionsausfall oder vorzeitige Verrentung) machen schon heute schätzungsweise 5 bis 15 Prozent der gesamten Gesundheitskosten westlicher Industriestaaten aus.

In der Theorie wissen wir alle, dass gesunde Ernährung unsere Produktivität und Konzentration steigert. Aber im Arbeitsleben achten wir gerade in stressige Situation oft zu wenig auf unser Ernährungsverhalten. Natürlich ist (gesunde) Ernährung Privatangelegenheit der Mitarbeiter. Dennoch ist es für Arbeitgeber sinnvoll, sich hier zu engagieren. Ausgewogene Ernährung ist eine wesentliche Voraussetzung, um produktiv und konzentriert arbeiten zu können.

Unternehmen haben eine Vielzahl an Möglichkeiten, Mitarbeiter bei der gesunden Ernährung zu unterstützen – auch ohne eigene Kantine im Haus. So können Unternehmen durch finanzielle Unterstützung ihren Mitarbeitern in Sachen gesunder Ernährung Gutes tun – und das sogar steuer- und sozialabgabenfrei.

Das Wichtigste aber ist: gehen Sie als Chef mit gutem Beispiel voran und setzen Sie auf Motivation und Aufklärung, ohne dabei belehrend zu wirken.

02 Bewegung und Sport

Ob im Home-Office oder bei der Arbeit – die meiste Zeit verbringen wir sitzend vor einem Computer. Angestellte, deren Arbeitsplatz sich an einem Schreibtisch befindet, verbringen so rund 73 Prozent ihrer Arbeitszeit im Sitzen.

Mangelnde körperliche Aktivität ist die Hauptursache für Krankheiten wie koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, Typ-2-Diabetes sowie Brust- und Darmkrebs und verursachen Kosten von 60 Milliarden Euro für das Gesundheitswesen sowie Einbußen in der Produktivität von mehr als 12 Milliarden Euro.

Körperliche Aktivität fördert nicht nur die körperliche, sondern auch die mentale Gesundheit. Beim Sport werden die als Glückhormone bekannten Botenstoffe Serotonin und Dopamin ausgeschüttet, Stresshormone abgebaut und Angst gedämpft. Sport hilft, den Kopf freizubekommen. Dies fördert besseren Schlaf und trägt somit entscheidend zum allgemeinen Wohlbefinden und Gesundheit bei und hilft bei der Prävention und der Therapie von Depressionen und anderen mentalen Gesundheitsproblemen.

Körperliche Aktivitäten haben also einen positiven Einfluss auf die körperliche und mentale Gesundheit. Es verbessert die Lebensqualität und die Gesundheit. Schon 30 Minuten Sport pro Tag führen zu einer Leistungssteigerung von 12 Prozent. Die Förderung von Bewegung, zum Beispiel durch Kooperationen mit Fitnessstudios und Sportvereinen, eigene Lauftreffs oder Yoga-Kurse für die Mitarbeiter lohnt sich also auch für kleine und mittlere Unternehmen.

03 Balance und mentale Gesundheit

Die Arbeit nimmt einen wesentlichen Teil unseres Lebens ein. Gerade in Zeiten von Lockdowns und Home-Office verschwimmen die Grenzen der Work-Life Balance immer mehr. Durch die fehlende Trennung der Lebensbereiche kann dabei leicht die Balance verloren gehen. Umso wichtiger ist es, dem entgegenzuwirken. Die Beachtung der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz wird deshalb noch wichtiger.

Führungskräfte räumen dieser aus gutem Grund einen immer höheren Stellenwert ein. Die Fehltage aufgrund von Arbeitsunfähigkeit mit psychischem Hintergrund haben sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt und bereits vor Covid-19 allein in der EU jährlich Produktionsausfälle in Höhe von 20 Milliarden Euro verursacht.

Wie steht es um das Betriebsklima, fühlen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ernst genommen, wertgeschätzt und werden informiert? Die gelebte Kultur in einem Unternehmen ist wesentlich bei der Prävention psychischer Probleme der Mitarbeiter. Erkrankungen oder deren Fluktuationsrate können wichtige Anhaltspunkte sein. Nicht nur in Krisenzeiten sind gute Führung, Kommunikation und Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter essenziell, um eine vertrauensvolle Atmosphäre herzustellen, in der es sich leichter über psychische Belastung sprechen lässt.


 

04 Auswirkungen der Pandemie auf die Arbeitswelt

Mitarbeiter leiden im Homeoffice häufig unter stärkeren psychischen Belastungen als im Betrieb. Knapp drei Viertel (73,4 Prozent) der Befragten, die häufig von Zuhause aus arbeiten, fühlen sich erschöpft. Weitere gesundheitliche Probleme sind laut einer aktuellen Umfrage Schlafstörungen, Erschöpfungszustände und Schwierigkeiten mit der Konzentration.

Auch Bewegung und Ernährung können durch die neuen Arbeitsumstände beeinträchtigt werden. so zeigt eine DAK-Studie von 2021 durchgeführt von Forsa, dass sich im Homeoffice 44 Prozent der Befragten „deutlich weniger“ bewegen als früher. Über 30 Prozent haben dabei mindestens drei Kilogramm zugenommen und sieben Prozent der Befragten sogar mehr als fünf Kilogramm. 32 Prozent klagen zudem über häufigere Rückenschmerzen.

Umso wichtiger ist es, dass wir lernen, uns nicht treiben zu lassen, sondern diesen neuen Tagesablauf positiv zu gestalten. Damit das gelingen kann, sind gesunde Ernährung und Bewegung ebenso wichtig, wie der sorgsame Umgang mit unseren inneren Ressourcen.